Berichte von ehemaligen Mariensch�lern
Submitted by marienschule on Fri, 20/06/2003 - 14:13. Marienschule fr�her

Schulspeisung

Wir schreiben das Jahr 1946. Es ist sehr kalt und die Menschen haben Hunger und frieren. Der 2. Weltkrieg ist seit 8 Monaten endlich zu Ende. Die Schulstunden sind sehr unregelm��ig. Kohlen und Koks sind kaum zu haben und so f�llt mancher Schultag aus, weil nicht geheizt werden kann, oder mal ist der Unterricht vormittags, mal nachmittags. Aber die Menschen frieren nicht nur, sie haben auch Hunger. Um diesen etwas zu lindern, vor allem f�r Kinder, verf�gt die Milit�rregierung im Februar 1946, die Schulkinder einmal am Tag mit einer warmen Suppe zu versorgen. Im Angebot sind 3 Suppen: Biskuit-, Erbsen- und Gerstensuppe. Hergestellt wurden die Suppen zuerst in der alten Turnhalle der Nordschule, sp�ter von der Metzgerei Br�hl in der Breitestra�e (sp�ter Stiftsplatz). Die jeweilige Suppe wurde in K�beln angeliefert. So auch an der Marienschule. Vom Rektor der Schule wurden die zwei st�rksten Sch�ler bestimmt, welche die K�bel vom Schulhof in die Schule transportierten, wo die Suppe ausgeteilt wurde. F�r jedes Kind eine Kelle (= 1/2 Liter).

Zuerst trat Rektor Schlotterose als Vorkoster in Aktion. Er probierte die Suppe mit der Kelle, die auch zum Austeilen benutzt wurde. Den Sch�lern hat dieses nicht gefallen und sie protestierten lautstark, so da� Herr Schlotterrose von diesem Vorkosten ablie�.

Die Suppen schmeckten unterschiedlich. Die Sch�ler benoteten sie wie folgt: Biskuitsuppe mit der Note 1, Gerstensuppe mit der Note 3 und Erbsensuppe mit der Note 5.

Es ist vorgekommen, da� einige Austeiler es unterlie�en, die Suppe, wie angeordnet, vor dem Austeilen kr�ftig umzur�hren, und den Mitsch�lern nur das D�nne austeilten, um den kr�ftigen dicken Rest f�r sich zu haben. Trotz gro�em Hunger konnten nur wenige Sch�ler sich �berwinden, die Erbsensuppe aufzuessen. Sie nahmen die Suppe in ihren Kochgeschirren mit auf den Nachhauseweg. Unterwegs leerten sie dann den Inhalt ihrer Beh�lter in die Rinnsteine aus. Dies wurde besonders von den Hunden sehr gesch�tzt, welche die Suppe schmatzend verputzten und die Rinnsteine so sauber leckten, da� keine Spuren zur�ckblieben, was den Vorteil hatte, da� die Schule vom Wegsch�tten keine Ahnung hatte.

Die Schulspeisung der Kinder endete meiner Erinnerung nach mit dem Beginn der gro�en Ferien 1946. In Erinnerung ist den Sch�lern von damals vor allem die leckere Biskuitsuppe.

Wilhelm Schmall

R�ckblick April 1946 bis M�rz 1954

En de N�h` von der Marienkirch,

Schulleiter und Lehrer
Submitted by marienschule on Fri, 20/06/2003 - 14:12. Marienschule fr�her

Schulleiter an der Marienschule

Knabenschule (1879-1921)

Hauptlehrer Kentenich 1883

Hauptlehrer Franz Engels 1884

Rektor Franz Engels 1894-1904

Hauptlehrer Heinrich Lessenich 1904

Rektor Matthias G�nther 1904-1918

Hauptlehrer von Hoorn 1912

Rektor Emons 1919

Rektor Bernhard Pranschke 1920-1921

M�dchenschule (1879-1921)

Rektorin Elise Hunold 1883-1921

Gemeinsame Schulleitung (1921-1949)

Rektor Bernhard Pranschke 1921-1923

Rektor Josef Gnad 1923-1931

Rektor Franz Lengersdorf 1931-1944

Submitted by marienschule on Fri, 20/06/2003 - 00:37. Marienschule fr�her

1879-1999 - 120 Jahre Marienschule

Aus der Geschichte der Marienschule alte Schule

120 Jahre Marienschule: Das ist Anlass �ber die Vergangenheit nachzudenken und die Vergangenheit zu erforschen. Diese Festschrift soll festhalten, was Kinder, Lehrerinnen und Eltern entdeckt haben und wie wir dieses Schuljubil�um gefeiert haben.

Der Schulbetrieb in unserer Schule wurde 1879 er�ffnet. In unserer Chronik steht dar�ber:

Durch die rasche Zunahme der Bev�lkerung stellte sich im Jahre 1876 das Bed�rfnis eines neuen Schulsystems f�r den n�rdlichen neu entstandenen Stadtteil ein, und es erwarb die Stadt durch den Oberb�rgermeister Doetsch zu dem Zwecke ein den G�rtnern Weis und Vianden geh�riges Grundst�ck. Im Jahre 1877 wurde der Bau unter der Leitung des Stadtbaumeisters Lemke begonnen und bereits 1879 Herbst wurden 2 Knabenklassen und 2 M�dchenklassen eingerichtet, und es bildetet sich die Sch�lerzahl aus den 3 benachbarten Schulsystemen der Stifts-, M�nster- und Freischule.

Unsere Schule wurde also auf den Grundst�cken von 2 G�rtnern gebaut. Um unsere Schule herum standen nicht so viele H�user wie heute, sondern sie lag inmitten von �ckern und Wiesen. Die Bebauung begann erst. Es zogen pl�tzlich viele Leute in den Bonner Norden. Dies hat etwas mit der Entwicklung in ganz Deutschland zu tun. Die Bev�lkerung in Deutschland explodierte. Das geschah aus mehreren Gr�nden:

Durch den medizinischen Fortschritt nahm die S�uglingssterblichkeit ab, und so erreichten immer mehr Menschen das zeugungsf�hige Alter. Durch Verbesserung des Verkehrswesens gab es weniger Hungersn�te. Dampfschiffe und Eisenbahnen konnten Getreide von einem Erdteil in den anderen transportieren. Durch Erfindung neuer Maschinen (Dampfpflug und Dreschmaschinen) konnten viele Landarbeiter ersetzt werden und fanden keine Arbeit mehr auf dem Lande. Die technische Entwicklung lie� Fabriken in den St�dten entstehen. Gewerbefreiheit wurde ausge�bt, so dass wirtschaftlicher Erfolg nicht mehr allein durch den gesellschaftlichen Stand geregelt wurde. So entwickelte sich Deutschland von einem Agrarstaat zu einem Industriestaat. Die Menschen wanderten vom Land in die Stadt, vom Osten Deutschlands in den Westen. Die rasche Besiedlung des Bonner Nordens geschah aus all diesen Gr�nden.

Dazu kam, dass die damalige Gesellschaft durch das Kaisertum gepr�gt wurde und der Adel Dienstleistungen brauchte. 1870/71 wurde in Versailles Kaiser Wilhelm I. zum deutschen Kaiser proklamiert. Aus vielen kleinen Staaten war ein gro�er Nationalstaat entstanden, unter der Vorherrschaft des K�nigs von Preu�en, der nun deutscher Kaiser war. 1879, zur Zeit der Schulgr�ndung, regierte noch Kaiser Wilhelm I. mit Hilfe seines Reichkanzlers Bismarck. 1889 folgte ihm f�r 99 Tage sein Sohn Friedrich III. auf den Thron. Im gleichen Jahr, nach dessen Tod, begann sein Enkel Kaiser Wilhelm II. seine Herrschaft. Die erste Sch�lergeneration unserer Schule hat also 3 Kaiser erlebt. Ihr Leben wurde durch das Kaisertum beeinflusst. Das gr��te Ansehen in der damaligen Gesellschaft hatten die Adligen und das Milit�r. Das Milit�r deshalb, weil es Deutschland den Krieg gegen Frankreich 1870/71 gewinnen lie�. Gehorsam war eine B�rgerpflicht. Der Staat war ein Obrigkeitsstaat. Man sah dies an der Kleidung der Menschen. Mit Stolz trug man Uniform, sogar im Parlament und in der Universit�t. Die Kinder wurden in Matrosenanz�ge gesteckt und Gehorsam wurde von ihnen erwartet. Auch in Bonn war das so.

Da Bonn Universit�tsstadt war und landschaftlich sch�n gelegen war, zogen viele Adlige und reiche Leute nach Bonn. Selbst die kaiserliche Familie liebte es in Bonn zu verweilen. Das bevorzugte Wohngebiet f�r diese Gesellschaftsschicht war der Bonner S�den. Diese Herrschaften brauchten Dienstleistungen. Diese dienstleistende Bev�lkerung siedelte sich im Bonner Norden an. Es entstanden im Bonner Norden viele kleine Handwerksbetriebe wie Schuster, Schneider, Schreiner, Polsterer, Schmiede, Seilspinner, Ziegeleien u. a.

Deutschland war im technischen und wirtschaftlichen Aufbruch. Die Kaiser, besonders Wilhelm II., unterst�tzten diese Entwicklung. Man spricht auch von der Gr�nderzeit. Deutschland errang damals eine Spitzenstellung in der Chemie und der Pharmazie, der Optik, der Feinmechanik, der Elektrotechnik.

Gro�unternehmen wurden gegr�ndet, die heute noch existieren, wie Siemens, Bosch, Carl Zeiss, Bayer, Hoechst. Im Bonner Norden machte sich die Gr�nderzeit auch bemerkbar: Es entstanden die Gaslaternenfabrik in der Alexanderstra�e (wo auch Kinder besch�ftigt wurden), die Orgelbauwerkstatt Klais, der pharmazeutische Betrieb Gerhard, die Fahnenfabrik, das Fotoatelier Schafgans, Seilspinnerei Lenz, mehrere Ziegeleien unter ihnen die Ziegelei Gericke, Fuhrhalterei Linden und viele mehr. Die Ursachen des Erfolges waren die Herstellung von Qualit�tsware und neu entwickelten Produkten. Die Tugenden wie Flei�, T�chtigkeit, Ordnungssinn, Disziplin und Sparsamkeit beg�nstigten diese Entwicklung. "Made in Germany" war damals ein Markenzeichen. Von der Qualit�t handwerklicher Arbeit unseres Viertels kann man sich heute auch noch beim Orgelbauer Klais, beim Kunstschmied Karl K�nig, beim Polsterer Fuhs, Schreinermeister Holtmann und vielen anderen und nicht zuletzt beim Parkettleger Kaspari �berzeugen, der zur 120-Jahr-Feier unsere B�hne gebaut hat.

Es kam nicht nur auf die Praktiker oder T�ftler und Erfinder mit genialen Einf�llen an, sondern auch auf die Systematik wissenschaftlicher Forschung und guter Ausbildung. Besonders Wilhelm II. beg�nstigte, dass immer mehr Universit�ten, Realgymnasien und Technische Hochschulen entstanden. Um Handwerker zu werden, schloss sich an die Volksschule eine mehrj�hrige Lehre an. Ein Handwerker wurde ein qualifizierter Facharbeiter. Durch die Errichtung der "Schule an der Heerstra�e" 1879 nahm der Bonner Norden an der bildungspolitischen Entwicklung teil.

Eine neue Schule wurde also zur damaligen Zeit im Bonner Norden errichtet, weil es eine Bev�lkerungsexplosion gab, weil das Kaisertum Dienstleistungen erforderte, weil es einen technischen und wirtschaftlichen Aufschwung gab und weil Wert auf systematische Ausbildung gelegt wurde.

Von der damaligen P�dagogik unserer Schule wird in unserer Chronik wenig ausgesprochen. Man kann sie nur zwischen den Zeilen entdecken. Zu Kaisers Geburtstag, der jedes Jahr ausf�hrlich gefeiert wurde, erhielt das jeweils flei�igste Kind ein Buch. Flei� war ein wichtiges Ziel.

Wenn die Majest�ten nach Bonn kamen, gab es schulfrei, und die Kinder und Lehrer standen Spalier, um den Kaiser und seine Gattin zu begr��en. Die Beschimpfung einer Lehrerin wurde 1898 mit 10 Tagen Gef�ngnis bestraft. Nachsitzen war erlaubt. Es gab ein Z�chtigungsrecht der Lehrer. Um einem Missbrauch vorzubeugen, wurde 1899 die Verordnung erlassen, dass jede Z�chtigung in ein Strafverzeichnis eingetragen werden sollte.

Kinder, die nicht in die Schule kamen, wurden von der Polizei geholt. Autorit�tsgl�ubigkeit war ein wichtiges Ziel. Belohnungen und Bestrafungen waren die Folge.

Es gab eine Verordnung, dass Kinderarbeit bei schulpflichtigen Kindern eingeschr�nkt wird, d.h. es war �blich, dass Kinder neben der Schule arbeiteten.

Jungen und M�dchen wurden getrennt unterrichtet. Unsere Schule wurde in der Mitte geteilt: Sie bestand aus einer Knaben- und einer M�dchenschule mit je eigenem Schulhof. M�dchenerziehung war deutlich von Jungenerziehung unterschieden. Viele M�dchen besuchten nach unserer Volksschule den Haushaltsunterricht in der Wilhelmschule. Eine Frau wurde damals dazu ausgebildet, eine gute Hausfrau zu sein, Kinder zu erziehen und eine gute Christin zu sein. M�dchen an den Universit�ten gab es nur vereinzelt. Eine berufst�tige Frau wurde nicht beg�nstigt. In unserer Chronik steht, dass jede Lehrerin, die heiratete, die Schule verlie�.

Schon von Anfang an wurden zwei Jahrg�nge zusammengefasst. Sp�ter gab es reine Jahrg�nge, da die Klassen immer gr��er wurden.

Die Er�ffnung der "Schule an der Heerstra�e" war mit keiner Feierlichkeit verbunden. Die Lehrerin E. Hunold musste die Kinder des dritten und die H�lfte des zweiten Schuljahres �bernehmen; die Lehrerin G. Hunold bekam die Kinder des ersten und die andere H�lfte des zweiten Schuljahres.

Die "Schule an der Heerstra�e" spiegelte im Kleinen den Zeitgeist des Kaisertums wider: Obrigkeitsh�rigkeit, �bung, Flei�, Ordnung, Disziplin, P�nktlichkeit und harte Arbeit wurden gefordert. Dies waren damals die Schl�ssel zum Erfolg.

Ingrid Kansy

Aus der Chronik der Marienschule

1879Errichtung der "Schule an der Heerstra�e" wegen starken Bev�lkerungszuwachs. Es wurden 2 Knaben- und 2 M�dchenklassen eingerichtet. In der Knabenschule waren erste Lehrer: Herr Breuer und Herr Zimmermann, in der M�dchenschule Frau Elise Hunold und Frau Gertrud Hunold.
1883Die Sch�lerzahl stieg rasch an. Schon musste an jeder Seite des Hauses ein Fl�gel mit je 4 Klassenr�umen angebaut werden. Die sch�nen Lindenb�ume, die heute noch Schatten spenden, wurden gepflanzt.
1892Errichtung der Marienkirche, da die Bewohner sich ein Gotteshaus in die N�he der Schule w�nschten. Der erste Geistliche war Kaplan Menniken, er gab auch Religionsunterricht in der "Schule an der Heerstra�e".
1898/99Bekanntmachung folgender Polizeiverordnung: Die gewerbliche Nebenbesch�ftigung schulpflichtiger Kinder ist morgens vor Beginn des Unterrichts h�chstens w�hrend der Dauer einer Stunde gestattet. Die gewerbliche Nebenbesch�ftigung schulpflichtiger Kinder ist nach 8.00 Uhr abends verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe (bis zu 30,00 RM) oder entsprechender Haftstrafe geahndet.
In der Chronik steht:
Jedes Jahr wurde des Sterbetages von Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. gedacht.
Jedes Jahr berichtet die Chronik von ausf�hrlichen Feiern des Geburtstages seiner Majest�t, Kaiser Wilhelms II. In jeder Klasse wurden Gedichte und Lieder gesungen und ein Lehrer hielt eine Rede �ber den Kaiser. Die oberen Klassen feierten sogar mit den umliegenden Schulen in der Beethovenhalle. Das bravste und flei�igste Kind jeder Klasse bekam ein Buch geschenkt.
Jedes Mal, wenn der Kaiser nach Bonn kam, eilten die Schulklassen ihm mit ihren Lehrern entgegen, um ihn zu begr��en.
1891standen die Sch�ler am Rhein, da der Kaiser mit dem Schiff ankam.
1901erschien Kaiser Wilhelm II. mit dem Kronprinz Wilhelm zur Immatrikulation desselben an der Universit�t. Unsere Schulkinder standen vom Koblenzer Tor bis zum Kaiserplatz.
1902erschienen die Majest�ten zum Commerce der Borrussen. Es fand eine Parade auf der Hofgartenwiese statt. (Begr��ung durch die Kinder)
1905war Kaiser Wilhelm II. anwesend bei der Denkmalenth�llung Kaiser Wilhelms I. Die Majest�ten begr��ten die Kinder im Automobil.
1914/18W�hrend des Krieges war der Keller des Schulhauses Kartoffellager und Verkaufsstelle. Einmal hatten die Kinder schulfrei, weil die faulen Kartoffeln stanken.